Kaum eine Branche ist so vielfältig wie die Logistik, kaum eine so umsatzstark. Gleichzeitig steigt jedoch der Wettbewerbsdruck: Volatile Märkte und Dumpingpreise bedrohen etliche Transportunternehmen in ihrer Existenz. Umso wichtiger ist es gerade für mittelständische Logistikdienstleister, Zuverlässigkeit, Termintreue und Service-Qualität immer wieder auf den Prüfstand zu stellen. Mit der Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001:2015 schafft Frankenfeld dafür die Basis. Und geht sogar noch weiter. Warum? Das erläutert Qualitätsmanagerin Annemarie Schütze im Interview.

Frau Schütze, das Qualitätsmanagementsystem von Frankenfeld ist vor kurzem erfolgreich zertifiziert worden. Haben Sie jetzt erst einmal alles zu den Akten gelegt?
Annemarie Schütze: Ganz sicher nicht! Qualitätsmanagement ist ja kein Projekt, sondern ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess. Es gilt also, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Konkret heißt das: In drei Jahren erfolgt eine weitere Rezertifizierung, durch die wir dann ein wiederum drei Jahre gültiges Zertifikat erhalten. Bis dahin haben wir uns viel vorgenommen. Wir wollen in unserem Segment Qualitätsführer werden.

Reicht es dazu aus, die für die Zertifizierung geforderten Normen zu erfüllen?
Annemarie Schütze: Die internationale Norm DIN EN ISO 9001 legt ja zunächst erst einmal Mindestanforderungen für Unternehmen fest. Doch wir wollen deutlich höher springen, als wir müssen. Heißt konkret: Wir warten nicht bis zur nächsten Zertifizierung. Auch in der Zwischenzeit steht das Thema bei uns ganz oben auf der Agenda und wir werden weiterhin viel in diesen Bereich investieren. Ich bin überzeugt: Das wird sich auszahlen. Wenn vielleicht auch nicht sofort schwarz auf weiß sichtbar. Investitionen ins Qualitätsmanagement lohnen sich immer. Durch eine bessere Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit, durch langfristig geringere Kosten und durch größere Wettbewerbsvorteile.

An welchen Projekten arbeiten Sie hier aktuell?
Annemarie Schütze: Wir fahren mehrgleisig und treiben zurzeit intensiv verschiedene Themen wie die Einführung eines Dokumenten- und Arbeitssicherheitsmanagements voran. Qualität zu verbessern bedeutet ja immer auch, Fehler zu vermeiden. Deshalb wollen wir bis Jahresende darüber hinaus ein umfangreiches Reklamationsmanagement implementieren.

Was versprechen Sie sich davon konkret?
Annemarie Schütze: Reklamationen und Schadensmeldungen dokumentieren wir natürlich schon lange. Nun geht es darum, die erfassten Daten gezielt auszuwerten und so Optimierungspotenziale zu erkennen. Ziel ist es, so Ursachen für Reklamationen aufzuspüren und natürlich anschließend zu beseitigen – und im Idealfall so die Reklamationsquote zu reduzieren. Um umgehend auf Abweichungen reagieren zu können, braucht es allerdings leistungsstarke Analysetools. Aktuell suchen wir deshalb nach einer geeigneten Software-Lösung und wollen damit Ende des Jahres an den Start gehen.

Wie ist Frankenfeld insgesamt beim Thema Reporting aufgestellt?
Unsere Reporting-Strukturen werden immer feiner, die Berichtszeiträume immer kürzer. Zudem passen wir unser Kennzahlensystem immer wieder an die aktuellen Gegebenheiten an. Beispielsweise erfassen wir jetzt zusätzliche Daten zur Liefertermintreue und Transportmittelausnutzung. Ziel ist es, Risiken früher zu identifizieren, aber auch positive Entwicklungen eher zu erkennen.

Die seit 2015 geltende neue Norm für das Qualitätsmanagement verankert das Thema ja wesentlich deutlicher in der Chefetage. Sind die Mitarbeiter bei Frankenfeld trotzdem weiterhin involviert?
Natürlich. Das ist nicht nur ausdrücklich gewollt. Das Unternehmen ist auch darauf angewiesen, dass sich jeder Einzelne einbringt. Zum Beispiel durch Verbesserungsvorschläge. Aber auch Hinweise auf Fehlerquellen und Schwachstellen helfen weiter. Wichtig ist, dass alle Augen und Ohren offen halten und mitdenken.

Zur Person:
Annemarie Schütze arbeitet seit Ende 2017 als Qualitäts- und Umweltmanagementbeauftragte bei der Frankenfeld Logistikgruppe. Sie war zuvor 20 Jahre im Qualitätsmanagement tätig – zunächst im Bereich Druck und Verpackung, später dann in der Speditionsbranche.